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Das Gespenst von Canterville

Die Erlösung des Gespenstes von Canterville hätte nicht länger dauern dürfen. Der Himmel hing voller Gewitterwolken, von ferne zuckten Blitze, vereinzelte Regentropfen begannen die Haut der Besucher im Bad Herrenalber Kurpark zu benetzen – und Virginia erfüllte ihre Mission, befreite Sir Simon aus seinem Elend. Nicht nur dieser Punktlandung wegen hat das ambitionierte Team des Bad Herrenalber Sommernachtstheaters am Mittwochabend eine rundum gelungene Premiere ihres neuesten Streichs „Das Gespenst von Canterville“ nach einer Erzählung von Oscar Wilde gefeiert.

Musik, Kulisse, schauspielerische Leistung – alles passte an diesem Abend. Eine stimmige Inszenierung mit viel Humor und einer Auswahl an feinen, individuellen Einlagen. Man spielte nicht einfach den Wilde-Klassiker von 1887 nach, nein, das wäre zu schnöde gewesen, und überraschungsfrei. In quantitativer Hinsicht hatte das Sommernachtstheater sogar mehr zu bieten als im Original veranschlagt. Das Gespenst von Canterville, der entleibte Sir Simon, hatte das Gespensterdasein keineswegs alleine für sich exklusiv gebucht. Eine ganze Reihe gleichermaßen verblichener wie auch rastloser Gestalten bevölkerte das Szenario. Ungelenk, hüftsteif, scheinbar einer lautlosen meditativen Melodie folgend, klabauterte die bleiche Schar umher und zeterte: Eine Schande sei er, der Gram gebeugte Sir Simon, eine Schande für den gesamten Berufsstand der Geister.

Womit wir beim nächsten Erfolgsfaktor angekommen wären. Hoch komisch, was das Herrenalber Ensemble seinem Publikum an subtilen Versuchen Sir Simons anbot, die neuen amerikanischen Hausherren zu erschrecken. Der zarteste aller Versuche, unablässiges Kettengerassel, führte allerdings ebenso wenig zu einem Erfolg wie der verwirrendste: ein sich stets ernuernder Blutfleck auf dem Kamin. Immerhin: Als nächtlicher Störfaktor hatte es Sir Simon dann doch zu gewisser Nervosität bei den Neubewohnern gebracht. Aber spätestens als Familienoberhaupt und Politiker Hiram Benedikt Otis ein wenig Schmieröl für die Ketten hinstellt, die Kinder ihm ihrerseits Streiche spielen und Mrs. Otis ihm Magentropfen wegen des vielen Stöhnens anbietet, ist es endgültig vorbei mit Sir Simons Selbstvertrauen und Selbstachtung.

Nur Virginia, Tochter von Hiram Benedikt Otis, erkennt schlussendlich das Leid des Gespenstes von Canterville – die drohende ewige Verdammnis. Sie beschließt ihm zu helfen, denn nur die Tränen einer Frau können den Leid geprüften Sir Simon erretten. Sie verschwindet mit ihm und ermöglicht so den ebenfalls äußerst witzigen Auftritt der beiden authistisch wirkenden Polizisten Higgins und Watson. Ganz und gar unempfänglich für sachdienliche Hinweise nehmen sie lieber erst einmal Platz am Otis’schen Tisch. Zumindest eines scheint ihnen klar: Die Zigeuner haben Virginia nicht entführt, weil Zigeuner sind lustig und tanzen. Sehr viel mehr als Spaß haben die beiden auch nicht mehr zur Lösung des Falles beizutragen, in einem großen Finale mit Lichterwirrwarr und elegischer Musik und drohendem Unwetter taucht Virginia wieder auf – als Retterin von Sir Simon.

Ein wunderbarer Theaterabend war zu Ende gegangen. Die Darsteller, ob nun René Reibold als verzweifelter Sir Simon, Christian Romoser als aufgeblasener Hiram Benedikt Otis oder Eleftheria Marschaleck als quängelnde Lucretia Otis und Hela Weisheit als weiblicher Klaus Kinski (Hausdame Elisabeth Umney) – allesamt lieferten eine höchst gefällige Vorstellung ab. Sonderlob und einen Strauß Blumen gab’s von Bürgermeister Norbert Mai für Regisseurin Eva Martin-Schneider. Eine komplette Übersicht über alle Mitwirkenden gibt es im Internet unter www.proses.de/sonathe/2007.htm.

Die weiteren Spieltermine:

Heute (22. Juni), Sonntag (24. Juni), Mittwoch (27. Juni), Donnerstag (28. Juni), Freitag (29. Juni), Samstag (30. Juni) sowie am 4., 5., 6. und 7. Juli. Spielbeginn ist jeweils 19.30 Uhr im Kurpark. Kartenvorverkauf beim Tourismusbüro der Stadt Bad Herrenalb, Telefon 07083 / 500 555.

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