Die Prinzen waren zu Gast beim Calwer Klostersommer in Hirsau. Und mit ihnen rund 1400 Zuschauer, von denen sich die meisten normalerweise im Griff haben dürften. Bei dem poppigen Open-Air-Spektakel im Kreuzgang des alten Hirsauer Klosters allerdings wurde von Konzertbeginn an geschunkelt und geklatscht und gewunken und gekreischt – entschuldigung, das haben sie sich erlaubt.
Das Prinzen-Konzert erwies sich als Bombenerfolg: Für die Organisatoren, weil die Veranstaltung bis auf vereinzelte Plätze ausverkauft war, für das Publikum, weil ihre Lieblinge eine muntere Show mit allen heiß ersehnten Gassenhauern hinlegten, und nicht zuletzt für die Prinzen selbst. Sie fanden in Hirsau ein ebenso vergnügtes wie folgsames Publikum vor. „Im Ernst, das war eines der besten Konzerte, die wir in diesem Jahr spielen durften“, bilanzierte Tenor Sebastian Krumbiegel am Schluss. Und fügte verschmitzt hinzu: Er gehe davon aus, dass die Prinzen dereinst versammelt im Schwarzwald zu Grabe getragen würden.
Dabei hatte alles ganz schrecklich begonnen – mit dem Song „Monster“, einem tragischen Versuch der nicht mehr ganz so jugendlichen Prinzen, die Schuld an der eigenen Trägheit und Verfressenheit einem unschuldigen Wesen in die Schuhe zu schieben. Lug und Trug wurden gesanglich allerdings derart gekonnt vorgetragen, dass die Prinzen ihre Zuschauer schon ab diesem Moment im Sack hatten. Um daran auch nichts zu ändern, ging es flott weiter mit „Frauen sind die neuen Männer“ und dem ersten Megahit „Schwein sein“.
Da gab es schon kein Halten mehr auf den Sitzen, im Stehen gab sich das Publikum singend und klatschend den eingängigen Rhythmen hin. Von „Mein Fahrrad“, „Deutschland“ und „Alles nur geklaut“ bis hin zu „So viel Spaß für wenig Geld“ brannten die Prinzen ihr gesamtes Hitrepertoire ab, versetzt mit Liedern des aktuellen Albums „Die neuen Männer“ wie „Nie wieder Liebeslieder“ und dem multilingualen „Be cool, speak deutsch“ sowie dem konkurrenzlosen „Hasso“ über den gleichnamigen schwulen Hund.
22 Jahre ist die Gründung der Prinzen her, damals noch unter dem Namen „Herzbuben“. Um möglichen Verwechslungen mit den „Wildecker Herzbuben“ aus dem Weg zu gehen, firmierten sie 1991 um. Doch keine Spur vom hohen Alter. Jedenfalls nicht bei Sebastian Krumbiegel, der wie ein Gummiball den verfügbaren Raum abhüpfte und sich als Anheizer hervortat, und auch nicht bei Bariton Tobias Künzel, der in viel zu kurzen Hosen erfolglos versuchte, den Kollegen Krumbiegel zu stellen. Dennoch: Ohne Tenor Wolfgang Lenk, Bass Jens Sembdner und Bariton Henri Schmidt hätte es den unverwechselbaren Prinzen-Sound nicht geben können – komplettiert von Mathias Dietrich am Bass und Ali Zieme am Schlagzeug und am Schuhkarton.












