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Porträt: Freudenstadt

In Freudenstadt liegt alles um die Ecke. Freudenstadt ist dort, wo die Häuserzeilen geometrisch akkurat geordnet stehen. Auf einem Luftbild könnte man ein Geodreieck anlegen und würde die Straße in rechten Winkeln gebaut vorfinden. Freudenstadt ist keine organisch gewachsene Stadt, die im Laufe ihrer Geschichte wild wucherte. Da wurde nicht Haus um Haus gebaut, wo sich gerade ausreichend Platz bot. Es war vielmehr planerisches Kalkül, nämlich das des Baumeisters Heinrich Schickhardt (1558 – 1635), das eine der ungewöhnlichsten Städte Deutschlands hervor brachte.

Am Reißbrett geplant, entstand Freudenstadt im Jahr 1599 – hundert Jahre vor den barocken Residenzstädten Karlsruhe, Ludwigsburg und Rastatt. Der Grundriss wurde einem Mühle-Brettspiel nachempfunden, in dessen Mitte ein mächtiges Residenzschloss entstehen sollte. Durch den frühen Tod des Stadtgründers Herzog Friedrich I. von Württemberg wurde das Schloss aber nicht gebaut. Der damalige Schlossplatz ist heute Deutschlands größter Marktplatz – auf 731 Meter über dem Meer. Nach der Zerstörung der Innenstadt im Jahr 1945 wurde die städteplanerische Grundidee beibehalten, der bemerkenswerte Wiederaufbau wurde in nur fünf Jahren umgesetzt.

Heinrich Schickhardt hatte eine Stadt ersonnen, die Platz für 3500 Einwohner bieten sollte. Heute sind es rund 24.000 Einwohner in der Kernstadt und den sechs Stadtteilen. Mit rund 9.000 Arbeitsplätzen, die auf 1.600 gewerbliche Unternehmen, rund 300 Handwerksbetriebe und über 350 Handelsgeschäfte sowie einige Weltmarktführer verteilt sind, bildet das Gewerbe neben dem Tourismus die tragende Säule Freudenstadts, das seit 1988 den Titel „Große Kreisstadt“ trägt. Verarbeitendes Gewerbe ist zum größten Teil in den Industriegebieten angesiedelt. Erwähnenswert sind vor allem die schlott gruppe AG, als einer der größten europäischen Tiefdrucker, die Bürkle GmbH (Maschinen zur Oberflächenveredlung), die Gebr. Schmid GmbH & Co. KG (Anlagentechnik) sowie die Firma Oest (Mineralölwerk, Tankstellen, Maschinenbau).

Das Kurwesen – einst die andere tragende Säule – hat an Bedeutung verloren und ist zeitgemäßeren Modellen gewichen. Auslöser waren die erste Gesundheitsreform Anfang der 90er Jahre und ein verändertes Freizeit- und Urlaubsverhalten. Jetzt sind es nicht nur die so genannte 3. Generation, die Erholungssuchenden und die Naturliebhaber, die mit speziellen Angeboten berücksichtigt werden müssen, sondern auch die immer mehr werdenden Sport- und Aktivurlauber. So wurden die Angebote in Freudenstadt durch vielfältige Sport- und Freizeiteinrichtungen erweitert, um Schwung in den Urlaub und Bewegung ins Leben zu bringen. Nach wie vor sind Wald, Wasser und gesunde Luft die Merkmale von Freudenstadt.

Das ganze Jahr über findet eine Fülle von Veranstaltungen, Kongressen und Seminaren im neu gestalteten Kongresszentrum statt. In einem im Laufe der Jahre gewachsenen Veranstaltungskalender werden Theatervorführungen, Musikevents, Kunstausstellungen sowie Mach-mit-Programme für Alt und Jung angeboten und runden die Freizeitmöglichkeiten für Besucher und Bürger ab. Der Umbau des Marktplatzes mit Integration von 50 Wasserfontänen und die neuen Fußgängerzonen waren wegweisende Maßnahmen für Freudenstadts Wandel.

Infrastrukturelle Probleme machen den Freudenstädter allerdings zu schaffen: Mitten durch das  Stadtgebiet führen die Bundesstraßen B 28 (Kehl–Ulm), B 294 (Bretten–Gundelfingen), B 462 (Rastatt–Rottweil) und B 500 (Baden-Baden–Waldshut). Seit vielen Jahren arbeiten Kommunalpolitiker an einer Lösung. Dazu gehört der vierspurige Ausbau der B 28 im Freudenstädter Stadtgebiet, der voraussichtlich noch in diesem Jahr in Angriff genommen wird, sowie eine Unterfahrung der Innenstadt mit einem Y-förmigen Tunnel.

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