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US Cars Oberjettingen

Die Geburtstagsgäste waren mit dem Auto da. Jedes einzelne der Gefährte sorgt im alltäglichen Straßenbild für verdrehte Hälse und hervor tretende Augäpfel. Beim Spring Opening 2009 zum 25-jährigen Bestehen von Renz US Cars am Samstag in Oberjettingen waren es gleich 120 amerikanische Fabrikate – Sidepipes, Spoiler und Alufelgen, wohin das Auge reichte.

Es war weniger der American Way of Life, der in Oberjettingen zum Ausdruck kam, als vielmehr der „American Way of Drive“, wie es Geschäftsinhaber Walter Renz in der Einladung an seine Kunden formuliert hatte. Sicher, die eine oder andere tätowierte Feuerzunge prangte schon von dicken Oberarmen oder geschwollenen Waden. Auch wurden vereinzelt nach hinten gegelte Schöpfe und Baseball-Caps über klassischen Blues-Brothers-Brillen gesichtet. Aber so richtig „american“ kam das auch beim Spareribs essen nicht rüber. Ganz anders sah das bei den Autos aus.

Chevrolet, Hummer, Dodge, Camaro, Ford, Corvette: Amerikanische Autogeschichte bis hinein in die 60er Jahre versammelte sich im Oberjettinger Straßennetz rund um Renz US Cars. Der Einladung von Walter Renz folgten etwa 120 Kunden aus einem Radius von mehr als 50 Kilometern, die sich bei Walter Renz unter die Haube hatten schauen lassen. Renz US Cars ist autorisierter Servicepartner von Chevrolet, Corvette und Cadillac. Alle drei Marken gehören ebenso wie Opel zum angeschlagenen Großkonzern General Motors (GM). Der Autohandel spielt bei Walter Renz eine untergeordnete Rolle. „Zwischen fünf und zehn Modellen im Jahr verkaufen wir“ sagt er. „Wir leben von Wartung, Reparatur und Service.“

Walter Renz’ Liebe zu amerikanischen Sportwagen entflammte während seiner Ausbildung zum KfZ-Mechaniker bei Daimler. Als er damals im Zuge einer Projektarbeit ein spritsparendes Auto entwarf, habe das schon – ohne dass es ihm bewusst gewesen wäre – die Form einer Corvette angenommen, erinnerte er sich. Bewusst wurde ihm die Faszination nur wenig später. Im Fonds des elterlichen Autos sitzend, „sah ich, wie sich ein Wahnsinnsauto mit Sidepipes und einem Mördersound an uns vorbei schob“. Die spätere Recherche des damals 16-Jährigen sollte ergeben, dass sich eine Corvette an ihm vorbei geschoben hatte. Zwei Jahre später, kaum dass er seinen Führerschein in Händen hielt, vertiefte er seine Beziehung zur Corvette bei einem internationalen Treffen in Belgien. Seit 18 Jahren ist der Mitglied des Swiss Corvette Club International (SCCI).

Corvette ist die Marke, die laut Walter Renz in Europa gut läuft, die anderen hinken hinterher. Bei 250 PS geht’s kräftemäßig los, der gängige C6 mit V8-Motor und unten liegender Nockenwelle kommt mit 430 PS und fährt um die 300 Stundenkilometer Spitze. Das nächst größere Modell, der Z06, bringt es schon auf 520 PS. Im Alltag lässt sich die Kraft der Corvette dank des hohen Verkehrsaufkommens kaum auf die Straße setzen. „Wenn wir schnell fahren wollen, gehen wir auf die Strecke“, sagt Walter Renz. Der Schweizer Club SCCI lädt immer wieder zu Beschleunigungsrennen, Slaloms und Einzelzeitfahren auf anerkannte Strecken wie den Hockenheimring oder Le Mans ein. Dort dürfen die Pferdchen auch mal durchgehen.

Wenn Walter Renz in einer Corvette sitzt, fühlt er sich „souverän und gelassen, ohne mich produzieren zu müssen“. Amerikanische Erhabenheit: „Wenn ich will, kann ich extrem schnell fahren. Aber ich muss es nicht. „ Auch Sound und Form spielen eine große Rolle, viele der Wagen wurden nicht unter praktischen Gesichtspunkten entworfen, sondern einzig und allein um der Ästhetik willen. Stephan Aust, der bei Renz US Cars als 400-Euro-Kraft arbeitet, hatte sich 1987 aus mehrerlei Gründen einen gebrauchten Camaro gekauft. „Man ist aufgefallen damit, es war etwas Besonderes.“ Aber auch die elektrischen Fensterheber und die Klimaanlage, die im Preis von 5700 DM inbegriffen waren,  hatten es ihm angetan – „das war damals absoluter Luxus“.

Bei Romano Adamo aus Haslach gaben die „emotionale Form“ und die einfache Technik, die viel Eigenarbeit erlaubt, den Ausschlag, sich ein 69er Camaro-Cabrio zuzulegen, das nur 15 000 Mal hergestellt wurde und lange Zeit als Wunsch in Adamos Kopf geisterte. Bis er schließlich im Internet fündig wurde. Als „pony car“ – kleines Ponyauto – hat Adamos Wagen nicht mehr viel mit den gigantischen Schiffen zu tun, die in Amerika bis Ende der 70er in Mode waren. Die markante eckige Form ist geblieben und der Charme. Neid sei es nicht, der ihm auf Deutschlands Straßen begegne, sagte Adamo: „Die Leute freuen sich, ein so schönes Auto zu sehen.“

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